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Mit dem Donauradkaiser Wiggerl Plochberger auf Tour. Wiggerl bringt nichts aus der Ruhe – außer wenn eine Dame sich weigert, sich selbst einzucremen oder Engländer eine Wellness-Schiffsreise erwar-ten und dann erstaunt sind, eine Woche schwitzend im Radsattel zu sitzen. Ludwig, Wiggerl, Lucki oder Wick nennen sie ihn - dass in seinem Geburtsschein noch Plochberger, geboren 1932 steht, weiß kaum einer seiner unzähligen Schützlinge.
Für sie scheint dort „Donauradkaiser“, Geburtsjahr 19?? auf. Seine Excellenz Wiggerl I. radelt heuer im Sommer Europas bekannteste, beliebteste und meist beradelte Strecke zum hundertsten Mal: Passau – Linz – Wien, den klassischen Donauradweg (330 Kilometer). Und klassisch ist auch seine ureigenste Route, gespickt mit Überraschungen, Geheimnissen, Insidertipps und Anekdoten, gesammelt aus 15 fröhlichen Jahren mit 2500 „Untertanen“ und etwa 33.000 Kilometern in den Radlerwaden: „Mit mir ist noch jeder beim Riesenrad in Wien, Stelzenessen im Prater und Heurigen in Grinzing gelandet. Ich bin stolz auf mein Hobby“. Am liebsten verwöhnt der väterlich wirkende Kaiser seine Pedalritter entlang den Donau-Ufern seines Heimat-Bundeslandes Oberösterreich zwischen Passau und Grein.
Mit dem drahtigen Tausendsassa Wiggerl wird jeder Stromkilometer zum Erlebnis. Verzwickte Situationen entwirrt er mit weisen Worten, vermischt mit Humor und einem schelmischen Lächeln. Seine Referenzen sind rekordverdächtig. Ex-Radrennfahrer, Betreuer und Mechaniker bei der Österreich-Radrundfahrt, geprüfter Masseur, Ex-Ringer, vielfacher Staatsmeister im Schießen, wandelndes Donau-Lexikon, Sanitäter, Psychologe, Feinschmecker, Schmähführer. Wiggerl ist immer in Hochform!
Und seine Route eine einzige glitzernde Spur von Kultur-, Augen-, Gaumen- und Anekdo-tenschmankerln. Bei 99 Ausfahrten mit Urlaubern aus allen Winkeln Europas kommt es eben vom Start in Passau bis in den Zielort Wien zu einem ungewöhnlichen, oft kuriosen Sammelsurium an Wissen, Erfahrungen und Erzählungen.
Etwa dass Flachländler, die noch nie auf einem Drahtesel saßen trainiert werden müssen (Passau); dass Kaffeepausen für viele wichtige Programmpunkte sind, dass bei den schweigsamen Trappistenmönchen die Liköre stark sind (Stift Engelhartszell); dass die vielen Uferwechsel mit den Minifähren zum Abenteuer werden; dass Fischmenüs Hauben haben; dass Natura 2000-Gebiete seltene Pflanzen und Tiere beherbergen (Haibach, Donauschlinge); dass Radler in einer Grottenbahn herumtollen (Linz); dass das Hotelpersonal lächelt wenn die Wiggerl-Partie mit Rädern durch die vornehme Hotelhalle rollt (Linz); dass eine Linz-Abendführung und der Genuss von Torten zu den Höhepunkten zählt; dass ein „echter“ Graf durch die Gemäuer seiner Burg führt und sein Privatbier sehr begehrt ist (Klam); dass Kaiserin Elisabeth sich nur durch einen Sprung in die Donau von einem sinkenden Schiff retten konnte (Grein) und weiter durch Niederösterreich (Wein in der Wachau!!) über Tulln nach Wien zum Riesenrad im Prater, Stelzen essen, Heurigenpartie.
Outsider behaupten, der Donauradweg sei eine „Radautobahn“, eine Coca Cola-Route – da kommt Wiggerl nur ein kleiner Schmunzler aus. Für den Donauradweg, speziell für meine Route, kann ich Abseitserlebnisse zusichern – aber ein wenig Improvisation ist schon dabei. Das Wort „Kulturautobahn“ lässt er gelten, ist doch der Donaubereich bereits von den Kelten besiedelt worden. Römer, Bajuwaren, Awaren, die Glaubenskriege, Türken und die Donaumonarchie hinterließen tiefe, sensationelle Spuren. Die berühmte Venus von Willendorf weist sogar Falten aus der Altsteinzeit auf. Und dies alles vermengt sich harmonisch und idyllisch mit den unzähligen Naturschutzzonen entlang des Stroms.
Wiggerl bändigt die unterschiedlichsten Gruppen. Die Schwächeren fahren vorne, die Besseren hinten! Auf gewissen Strecken lasse ich die Wilden ein Stück losbolzen oder ich gebe ihnen abends eine Berglektion.“ Und weiters: Normales Tourenrad genügt, Radhose ohne Unterhose, ein die Schultern abdeckendes Leibchen, Radhandschuhe, Brille und Schuhe mit steifer Sohle.
Bis auf das Rad hat er alles in Reserve im Rucksack. Auch eine Creme für wunde Popobacken, die allerdings selbst aufgetragen werden muss! Reifen flicken, Gang reparieren, Muskeln kneten, Abschürfungen versorgen, Psyche betreuen, all das erledigt der Allrounder selbst. Radeln, Wein trinken, Fisch speisen, Kultur genießen, den Fotoapparat bedienen oder Schweiß abtupfen müssen aber seine Gäste in Eigeninitiative. Wie, wann, wo, warum, womit, wieviel, wohin – für diese W ist dann wieder der demnächst 100-jährige Donaukaiser Wiggerl I. zuständig.
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